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Hermann Öhler

Hermann Öhler

Die wirtschaftlich wohl herausragendste jüdische Persönlichkeit von Graz war der 1847 in Kuchyna, im damaligen Preßburger Komitat, geborene Kaufmann Hermann ÖHLER (1847-1918). Gemeinsam mit seinem Companion Karl Borromäus (jüdisch: Jacob) KASTNER (1848-1921) und seinem Bruder Samuel ÖHLER (1851-1910) gründete er im, von seinem Geburtsort mehr als 300 km entfernten, Troppau (heute Opava) 1873 den „Kurzwarenhandel Kastner & Öhler“. Neben einem Standort in Wien unterhielt das Unternehmen ab 1879 eine Niederlassung in Zagreb, 1883 folgte eine in der Grazer Sackstraße.

1894 kauften Karl Kastner und Hermann Öhler in Graz angrenzende Häuser in der Badgasse. Mit dem Bau der "Kleinen Halle" entstand so das erste wirkliche Warenhaus in der österreichisch-ungarischen Monarchie. 1912/1913 eröffnete schließlich der große heute bekannte vom Theaterarchitektenduo Fellner & Helmer geplante Neubau: ein fünfgeschossiger, gewölbt ausschwingender Neubau im Jugendstil; mit der "Großen Halle" - einem reich verzierten und geschmückter Prachtraum mit einer bunten Glaskuppel - als Herzstück - und mit Lüftungs-, Eigenstrom- sowie Rohrpostanlage und einem Erfrischungsraum mit Musik. Seine Hauptattraktion bildeten zwei Liftanlagen aus Messing und geschliffenem Glas – und der kleine schwarze Liftboy, den man von nah und fern anschauen kam.

Ihren jüdischen Wurzeln blieben zwar Hermann ÖHLER und seine Frau Josefine geb. WEISS (1859-1925), die beide auf dem jüdischen Friedhof von Graz ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, treu. Ihre drei, sämtliche mit Nichtjuden verheiratete Kinder kehrten dem Judentum allerdings den Rücken zu.

Hermann Öhlers ältester Sohn, der noch in Troppau geborene Schriftsteller, Hugo ÖHLER (1877-unbekannt), über dessen Schicksal nach seiner Verschleppung in der NS-Zeit nichts Näheres bekannt ist, erklärte nur vier Tage nach dem Tod seines Vaters 1918 seinen Austritt aus der jüdischen Religionsgesellschaft und konvertierte nach dem Anschluss 1938 zur römisch-katholischen Kirche.

Hermann Öhlers zweiter, schon in Graz geborener Sohn Franz ÖHLER (1887-1945 /), der das Familienunternehmen als Mitbeteiligter bis 1938 geführt hatte, hatte diesen Schritt als erster bereits im Jahre 1907 getan. Er, der über Betreiben seines Cousins Albert Kastner (1883-1952) zunächst nach Zagreb geflüchtet war, starb nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Buchenwald.

Das dritte Kind Hermann Öhlers, die 1889 in Graz geborene Else ÖHLER (1889-1947) trat 1919 noch vor ihrer Eheschließung mit Georg FÜRTH (1887-1960) aus der Grazer Kultusgemeinde aus.

Mit seinem Teilhaber Carl Jacob KASTNER war Franz ÖHLER nicht nur geschäftlich, sondern auch familiär verbunden. KASTNER war seit 1873 mit ÖHLERs Schwester Julie ÖHLER (1854-1942) verheiratet und für damalige Verhältnisse recht ungewöhnlich gelegentlich seiner Eheschließung zum Judentum konvertiert. Das Paar hatte insgesamt acht Kinder von denen zumindest noch ein Teil gelegentlich ihrer Geburt bei der Israelitischen Kultusgemeinde (Wien) immatrikuliert wurden. Im Laufe der Jahre traten aber alle Familienmitglieder aus der Israelitischen Religionsgesellschaft aus und konvertierten größtenteils zum Protestantismus.

Das verhinderte allerdings nicht, dass – neben den Nachkommen Hermann Öhlers - auch die Ausgetretenen oder Konvertiten bzw. deren Kinder nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen jedenfalls als jüdische Mischlinge zu qualifizieren und auf Grundlage der Nürnberger Rassegesetze von Repressalien betroffen waren. Um nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich eine Enteignung abzuwenden, wurden die Unternehmensanteile 1938 daher von den Eigentümern Franz Öhler, Dr. Richard Kastner (1876-1959) und Albert Kastner an deren Schwiegersöhne Ludwig Wäg (1901-1942), Fritz Böck (1895-1966) und Heinz Emil Wressnig (1905-1971) übertragen. Nach dem Krieg wurden die alten Eigentumsverhältnisse in der Familie wiederhergestellt.

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