Alte Synagoge
Alte Synagoge

Von der alten Synagoge zur neuen – 1891 bis 1998

 

Die alte Grazer Synagoge wurde ebenso wie das ihr gegenüberliegende Amtsgebäude, in der sich zunächst die Elementarschule, der Turnsaal und die Verwaltungsräumlichkeiten befanden, von 1891 bis 1892 nach Plänen des Architekten Maximilian KATSCHER (1858 Slavkov - 1917 Wien) erbaut. Katscher, Absolvent der Technischen Hochschule in Wien, konnte anders als etwa Jakob Gartner oder Wilhelm Stiassny keinerlei Erfahrungen im Synagogenbau aufweisen. Die Gründe warum gerade er mit der Planung des Prestigebaues betraut wurde sind heute nicht ersichtlich. Die Grazer Synagoge sollte auch sein einziger diesbezüglicher Bau bleiben. Vom Oeuvre Katschers einem breiteren Publikum bekannt sind heute nur das Kaufhaus HERZMANSKY in der Wiener Stiftgasse oder das Kurhaus in Baden bei Wien, in dem nunmehr ein Casino untergebracht ist.

Unverkennbare Vorlage für den Bau - die Bezeichnung Vorbild scheint in diesem Zusammenhang geradezu untertrieben - bildete die Ende der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts von Gottfried Semper errichtete Synagoge in Dresden. Sowohl die Strukturierung des Tempels als überkuppelter Zentralbau als auch die formale Gestaltung mittels eines byzantinisch-romanischen Formenrepertoires oder auch die ostseitig angeordneten Türme lehnten sich an das Dresdner Vorbild an, wurden aber von Katscher zumindest eigenständig weiterentwickelt.

Der mit einer Bausumme von rund 50.000 Gulden schließlich realisierte Bau, der gegenüberliegend auch das vorerwähnte Amtshaus mit Schule umfasste, die formal einheitlich gestaltet waren, bot mit seiner freien Lage am Ufer der Mur einen imposanten Anblick. Die alte Synagoge, die mit Fug und Recht, als bedeutendster Bau Katschers bezeichnet werden kann, bildete mit ihrer imposanten 30 Meter hohen Außenkuppel bis 1938 das Herzstück der jüdischen Gemeinde Graz.

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Die alte Synagoge folgte in der Anordnung der Bimah sowie der Sitzbänke eindeutig dem reformierten Synagogenkonzept. Der Almemor befand sich anders als in traditionellen Synagogen direkt vor dem Thoraschrein an der Ostmauer des Hauptraumes. Die Sitzbänke waren dem Muster von Kirchen folgend zum Thoraschrein ausgerichtet, über welchem zudem noch ein Chorgestühl mit einer regelmäßig auch bespielten Orgel untergebracht war, wie diese in traditionellen Synagogen verpönt sind. Der Eingang zum Tempel lang anders als heute westseitig in Richtung Lagergasse.

Im Zuge des Novemberpogroms wurde die Synagoge am 9. November 1938 unter Teilnahme zahlreicher Bürger der Stadt vom Grazer Bürgermeister Dr. Julius Kaspar perfekt inszeniert, eigenhändig in Brand gesetzt, in weiterer Folge zerstört und die verbliebenen Reste abgetragen. Noch verwertbares Baumaterial wurde u.a. für die Ummauerung eines Garagenkomplexes zur Verfügung gestellt. An die zerstörte Synagoge sollte mit Ausnahme der von den steirischen Juden an ihrem Amtshaus nach dem Zweiten Weltkrieg 1953 selbst angebrachten Gedenktafel über mehr als drei Jahrzehnte hindurch nichts erinnern.

Erst 1983 machte der Grazer Künstler Fedo Ertl (1952-2014) mit seiner Installation „Aus der Verdrängung ans Licht“ auf die nationalsozialistische Zerstörung des Gotteshauses und die Geschichte der jüdischen Gemeinde aufmerksam, indem er mit dieser einen schmalen Ziegelgürtel an der oben angesprochenen Garagenummauerung in der Alberstrasse (Ecke Mayffredygasse) freilegte. Ziegel die eben aus dem Bestand der alten Synagoge stammten und während der NS-Zeit nach der Zerstörung derselben „wiederverwertet“ worden waren.

Im Gedenkjahr 1988 erfolgte die Freilegung der noch vorhandenen (Außen-) Grundmauern zur Errichtung einer Gedenkstätte, in deren Mitte ein von der Stadt Graz gewidmeter sieben Tonnen schwerer Gedenkstein in Form eines Granit-Monolithen platziert wurde.

 

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