Neue Synagoge
Neue Synagoge

 Die neue Synagoge - Geistiges Zentrum und Sichtbarwerden

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Alle im Grazer Stadtparlament vertretenen Parteien haben am 21. Oktober 1998 einstimmig die Wiedererrichtung der Grazer Synagoge beschlossen. Im Auftrag und aufgrund einer Initiative der Stadtgemeinde Graz wurde der Synagogenbau, im Wesentlichen finanziert von Stadt Graz, Land Steiermark und Österreichischem Nationalfond während der Präsidentschaft von Präsident KommR Konsul Kurt Brühl realisiert.

Der Grundidee folgte die Planung des Grazer Architektenehepaares Dipl. Ing. Jörg und Dipl. Ing. Ingrid Mayr, welche zuvor bereits für die Planung der (oben beschriebenen) Gedenkstätte am nunmehrigen Bauplatz (1988) sowie der neuen Zeremonienhalle auf dem jüdischen Friedhof (1990-1991) verantwortlich gezeichnet hatten. Die Architekten bezogen in den auch realisierten Entwurf in weiterer Folge und in einzigartiger Weise einerseits die (1988 an der Oberfläche) freigelegten Grundmauern des alten Synagogenbaus mit ein. Andererseits wurden in dem auf diese Grundmauern aufsetzenden Sichtziegelgürtel auch rund 9.600 Ziegel der alten Synagoge, die 1938/1939 für die oben beschriebene Garagenummauerung in der Alberstrasse verwendet worden war, eingebracht. Diese Ziegel waren zuvor nach dem Abbruch der Ummauerung sichergestellt und von Schülerinnen und Schülern des Bundesrealgymnasiums Lichtenfelsgasse, der Höheren Technischen Bundeslehranstalt und der Handelsschule bzw. der Handelsakademie Grazbachgasse in mühevoller Arbeit gereinigt.

Innenraum Synagoge web

Der 1988 von der Stadt auf dem Synagogengrundstück errichtete Gedenkstein wurde von den Architekten in die Planung miteinbezogen und befindet sich heute direkt unterhalb der gläsernen Bimah im Untergeschoss.

An Materialien für die neue Synagoge wurden vor allem Ziegel, Stahlbeton und Glas verwendet. Die geometrischen Grundkörper Würfel und Kugel beschreiben den Zentral/Sakralraum der Synagoge und bestimmen auch das äußere Erscheinungsbild.

Die tragende Konstruktion der verglasten Kuppel besteht aus zwölf Stahlsäulen, die die zwölf biblischen Stämme repräsentieren sollen und sind paarweise durch Bögen verbunden und in der Kuppel in einem Davidstern vereint. Die herrliche Kuppel besteht aus einer fünfteiligen Glaskonstruktion und soll die fünf Bücher der Thora symbolisieren.

In jedem der fünf Kuppelsegmente finden sich in hebräischer Schrift die jeweiligen Anfangs- bzw. Abschlussverse der einzelnen Wochenabschnitte.

Anders als die alte Synagoge verfolgt die neue Synagoge ein konsequentes traditionelles Raumkonzept. Die Bimah (Alemor), auf dem die Thoralesungen vorgenommen werden, befindet sich dem entsprechend im Zentrum des Sakralraumes, vier Stufen über dem Raumniveau. Der in Form der zwei biblischen Bundestafeln aus Holz gefertigte Thoraschrein, in dem die von Hand auf Pergament geschriebenen Thorarollen aufbewahrt werden, steht hinter einem von Klosterschwestern zur Eröffnung gefertigten Parochet (Vorhang), in einer um zwei Stufen höher liegenden, raumhohen Nische an der Ostwand in Richtung Jerusalem gerichtet. Vor dem Thoraschrein findet sich das Ner Tamid (ewiges Licht).

Die Bankreihen der Männerabteilung im Erdgeschoss mit Plätzen für 100 Personen sind an drei Seiten um die Bimah angeordnet. Eine Empore mit 45 Sitzplätzen umgibt den Hauptraum und bildet die Damenabteilung. 

Im Untergeschoss der Synagoge befindet sich das Gemeindezentrum in dem die Kiddushim, Feste- bzw. Feierlichkeiten sowie sonstige Veranstaltungen der Jüdischen Gemeinde Graz abgehalten werden. 2017 erfolgte der Einbau einer neuen Gemeindeküche samt Kühleinheiten, sodass heute die Versorgung auch größerer Veranstaltungen und Gruppen nach strengsten Richtlinien der Kashruth erfolgen kann.

Synagoge Abendstimmung außen web

Die Übergabe der neuen Synagoge an die jüdische Gemeinde erfolgte am 9. November 2000 in einem feierlichen Festakt unter Anwesenheit des damaligen Bundespräsidenten Dr. Thomas Klestil und vieler Vertreter aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur, sowie vor allem auch vieler von der Stadt Graz eingeladener ehemaliger jüdischer Grazerinnen und Grazer aus Israel, den USA, Großbritannien und anderen Ländern.

So wunderschön sich die Grazer Synagoge heute auch zu präsentieren vermag, so sind über die Jahre seit ihrer Übergabe doch eine Reihe von beachtlichen Mängeln bzw. Unzulänglichkeiten zu Tage getreten. Von diesen vorrangig zu nennen sind: Durch die dominierende Verwendung von Glaselementen kommt es mangels jeglicher Beschattungs- und Kühlanlagen in den Sommermonaten zu einer enormen Hitzeentwicklung, die bei Temperaturen von über 45 Grad eine Nutzung des Sakralraumes für die Gläubigen in dieser Zeit nahezu unmöglich macht. In den Wintermonaten ist bei starker Kälte wiederum der genau gegenteilige Effekt zu konstatieren, da die (allein) installierte Fußbodenheizung die vorhandene Kubatur kaum ausreichend zu erwärmen vermag. Die Kuppelkonstruktion erweist sich zudem bereits von Beginn an immer wieder als leck, sodass es regelmäßig zu Wassereintritten kommt, wie dies zuletzt massiv bei dem großen Unwetter vom 17. April 2018 der Fall war. Kuppelschäden oder Revisionen können nur unter kostenintensiver Zuziehung von externen Kränen oder Gerüsten behoben bzw. vorgenommen werden, da das Gebäude ohne jegliche Revisionsanlagen (Steigleitungen) errichtet worden ist.

Junge Synagoge alt

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