Die Synagoge

Die alte Grazer Synagoge wurde ebenso wie das Gemeindezentrum (Amtshaus), die Elementarschule und der Turnsaal von 1890 bis 1892 nach Plänen des Architekten Maximilian KATSCHER (1858 Slavkov -1917 Wien) erbaut. Katscher,  der die Technische Hochschule in Wien besuchte, entwarf unter anderem auch das Kaufhaus HERZMANSKY in Wien bzw. das Kurhaus in Baden bei Wien. Die Synagoge mit ihrer imposanten 30 Meter hohen Außenkuppel bildete bis 1938 das Herzstück der jüdischen Gemeinde Grazs.

 

Vorbild für den Bau Katschers bildete die Ende der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts von Gottfried Semper errichtete Synagoge in Dresden. Sowohl die Strukturierung des Tempels als überkuppelter Zentralbau als auch die formale Gestaltung mittels eines byzantinisch-romanischen Formenrepertoires lehnte sich an das Dresdner Vorbild an, wurde aber von Katscher eigenständig weiter entwickelt. Der schließlich realisierte Bau, der auch das vorerwähnte angeschlossene Amtshaus mit Schule umfasste, die formal einheitlich gestaltet waren, bot mit seiner freien Lage am Ufer der Mur einen imposanten Anblick.

 

Im Zuge des Novemberprogroms wurde die Synagoge am 9. November 1938 unter Teilnahme zahlreicher Bürger der Stadt vom Grazer Bürgermeister Dr. Julius Kaspar eigenhändig in Brand gesetzt und in weiterer Folge zerstört. Im Bedenkjahr 1988 wurde am Standort der zerstörten Synagoge ein Gedenkstein in Form eines schwarzen Obelisken errichtet, der an den ehemaligen Tempel und die jüdischen Bürger der Stadt erinnern sollte.  Alle im Grazer Stadtparlament vertretenen Parteien haben am 21. Oktober 1998 einstimmig die Wiedererrichtung der Grazer Synagoge beschlossen. Im Auftrag der Stadtgemeinde Graz wurde der Synagogenbau vor allem durch den Einsatz des damaligen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Graz Herrn KommR Konsul Kurt David Brühl ermöglicht.

Der Grundidee folgte die Planung des Architektenehepaares Dipl. Ing. Jörg und Dipl. Ing. Ingrid Mayr, indem ca. 9.600 Ziegel der alten Synagoge für die neue Synagoge (wieder) verwendet wurden. Die alten Ziegel wurden als wunderbare Geste von Schülerinnen und Schülern des Bundesrealgymnasiums Lichtenfelsgasse, der Höheren Technischen Bundeslehranstalt und der Handelsschule bzw. der Handelsakademie Grazbachgasse in mühevoller Arbeit gereinigt. Der auf dem ehemaligen Synagogegrundstück 1988 errichtete Oberlisk wurde hierbei in die Planung einbezogen und findet sich heute unterhalb der gläsernen Bimah platziert. Erstellt auf die Art und Weise eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde dar.

 

An Materialien für die neue Synagoge wurden vor allem Ziegel, Stahlbeton und Glas verwendet. Die geometrischen Grundkörper Würfel und Kugel beschreiben den Zentral/Sakralraum der Synagoge und bestimmen auch das äußere Erscheinungsbild.

Die tragende Konstruktion der verglasten Kuppel besteht aus 12 Stahlsäulen, die die 12 Stämme Israels repräsentieren sollen und sind paarweise durch Bögen verbunden und in der Kuppel in einem Davidstern vereint. Die herrliche Kuppel besteht aus einer fünfteiligen Glaskonstruktion und soll die Zahl der Bücher Mose im Ersten Testament symbolisieren.

 

In jedem Glassegment finden sich in hebräischer Schrift die jeweiligen Anfangs- bzw. Abschlussverse der einzelnen Wochenabschnitte aus den Büchern Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri und Deuteronomium. Der Almemor (Bimah),auf dem aus der Thora gelesen wird, nimmt die Mitte des Zentralraumes ein. Der gläserne Almemor ist über dem Gedenkstein aus dem Jahre 1988 errichtet. Die Heilige Lade mit den Thorarollen steht in einer um zwei Stufen höher liegenden, raumhohen Nische an der Ostwand.

 

Die Bankreihen in der Männerabteilung im Erdgeschoss mit Plätzen für 100 Personen sind an drei Seiten um die Bimah (Almemor) angeordnet. 


Eine Empore mit 45 Sitzplätzen umgibt den Hauptraum und bildet die Damenabteilung. Im Untergeschoss der Synagoge befindet sich das Gemeindezentrum in dem die Kiddushim, Feste- bzw. Feierlichkeiten sowie sonstige Veranstaltungen der Jüdischen Gemeinde Graz abgehalten werden. Die Finanzierung erfolgte durch die Stadt Graz, durch das Land Steiermark und durch den Nationalfonds der österreichischen Bundesregierung.

 

Die Übergabe der neuen Synagoge an die jüdische Gemeinde erfolgte am 9. November 2000 in einem feierlichen Akt unter Anwesenheit des damaligen Bundespräsidenten Dr. Thomas Klestil und vieler Vertreter aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur sowie vor allem auch vieler von der Stadt Graz eingeladener ehemaliger jüdischer Grazerinnen und Grazer aus Israel, den USA, Großbritannien und anderen Ländern. In der Vorbereitung und Durchführung des Rahmenprogrammes anlässlich der Wiedereröffnung wurde die Gemeinde tatkräftig von den hiesigen säkularen Institutionen und den christlichen Religionsgemeinschaften unterstützt. Auf dem Eingangsportal der Synagoge heißt es: "Denn mein Haus wird ein Bethaus für alle Völker sein" (Jesaja 56/7)