Jüdische Filmbar Graz: Du sollst nicht lieben

Jüdische Filmbar Graz: Du sollst nicht lieben

Von 23. Mai 2019 18:30 bis 20:30

Ort: SYNAGOGE Graz

Kategorien: Events


INHALT

Aaron (Zohar Shtrauss) ist ein angesehener Fleischer in der ultra-orthodoxen jüdischen Gemeinde in Jerusalem. Der Ehemann und Vater von vier Kindern gerät in eine tiefe Krise, als er sich in Ezri (Ran Danker) verliebt - einen 22-jährigen Studenten, der ihm in seinem Geschäft aushilft. Zunächst begreift er seine Gefühle als religiöse Herausforderung, doch als beide Männer schließlich ihrer Leidenschaft nachgeben, wächst der Druck der Gemeinde auf Aaron. Da er keinen Weg sieht, seine Gefühle mit den religiösen Regeln in Einklang zu bringen, fasst er einen radikalen Entschluss.

Die existenzielle Not der Hauptfigur wird in vielen Szenen des israelisch-französisch-deutschen Films vermittelt, den ZDF(„Das kleine Fernsehspiel“) mitproduzierte. Den meisten Mitteleuropäern dürfte die gezeigte Enge einer Gesellschaft voller Tabus heutzutage sehr fremd sein. Vor ein paar Jahren oder Jahrzehnten wäre das, zum Beispiel in streng katholischen Gegenden, sicher noch anders gewesen. Die Konsequenzen jedenfalls sind tragisch.

Jungregisseur Tabakman erschafft mit monochromen Bildern und wenigen Worten eine Atmosphäre, die den Zuschauer fast ersticken lässt. Es ist sein erster abendfüllender Spielfilm, der 2009 in Cannes („Un Certain Regard“) gefeiert wurde. Die Botschaft ist einfach: Eine Gesellschaft, die mit strenger Moral die Körperlichkeit unterdrückt, ist nicht wahrhaftig menschlich.

„Du sollst nicht lieben“ des 1975 geborenen Haim Tabakman ist eine Art „Brokeback Mountain“ aus Israel, in dem es statt um verliebte Cowboys, um die Beziehung von zwei Ultraorthodoxen geht. Beklemmendes, kunstvolles Kino, das zeigt, wie bedrohlich sexuelle Leidenschaft in einer streng reglementierten Welt sein kann. Für viele sicher zu spezielle Kost.

„Dieser Film könnte zur Entwicklung der orthodoxen Welt beitragen“, meint Regisseur Tabakman. „So wie die gläubigen Menschen heute leben, war es in Jerusalem schon immer. Das ist eine Reaktion auf die Angst vor dem Verlust der Tradition. Aber es geht doch eigentlich um Menschen, nicht um Sünden.“ Er glaube fest daran, dass man Menschen auch ohne Gewalt von Ignoranz abbringen und überzeugen könne, sich zu ändern – „nur durch das Zeigen 'So was existiert!' und wenn jemand zum ersten Mal sagt: 'Ja, ich weiß, das existiert' dann haben wir gewonnen!“

Freier Eintritt:

Im Anschluss an den Film findet wie gewohnt eine kritische Besprechung bzw. Erörterung des Themenschwerpunktes statt.

Anmeldung: Bitte reservieren Sie Ihre Teilnahme unter folgendem Link: