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Persönlichkeiten

 

Karl Mayer

Karl Mayer

Der Drehbuchautor Karl (fälschlich oft: „Carl“) Mayer wurde am 20. Februar 1894 in Graz, Alberstrasse 12, geboren. In Graz kamen auch seine Geschwister Eduard (1896) und Otto (1897) zur Welt. Die Eltern Josef Mayer und Elisabeth Mayer geb. Schneider stammten beide aus Wien. Seine älteren Brüder Friedrich und Paul waren 1891 bzw. 1892 noch in Wien zur Welt gekommen.

Mayers Vater war nach verschiedenen Quellen ein spielsüchtiger Spekulant, der Selbstmord verübt haben soll, als Mayer noch im Teenager-Alter war. Karl Mayer nahm aus existentiellen Gründen sehr bald verschiedenste Gelegenheitsjobs an und kam schließlich auch zur Schauspielerei. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges war er als Dramaturg am Berliner Reisdenztheater tätig.  Dort lernte er den tschechischen Dichter Hans Janowitz kennen.

Gemeinsam mit Janowitz verfasste er das Drehbuch zu Das Cabinet des Dr. Caligari, das ihn als Autor beim Film rasch etablierte. Nach einem zweiten expressionistischen Film, Genuine (1920), wandte sich Karl Mayer vom „Caligarismus“ ab und widmete sich der Arbeit an Szenarien zu Kammerspielfilmen, naturalistischen Dramen im Kleinbürgermilieu. 1924 verfasste er das Drehbuch zu Der letzte Mann von Friedrich Wilhelm Murnau, der als Meisterwerk des deutschen Stummfilms gilt. Der Höhepunkt seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Murnau war das 1926 noch in Deutschland fertiggestellte Drehbuch zu Sonnenaufgang, den Murnau 1927 in den USA realisierte.

Mayer ging 1932 zunächst nach Frankreich, 1935 dann nach England. Er erlag am 1. Juli 1944 in London im Alter von 49 Jahren einem Krebsleiden.

Die Stadt Graz als Geburtsstadt Mayers hat seit 1998 einen "Carl-Mayer-Drehbuchpreis" ausgeschrieben.

Im Jahr 2010 wurde Karl Mayer mit einem Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin geehrt.

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Paul Preuß

Paul Preuß

In der Geburtsmatrik der Israelitischen Kultusgemeinde Graz ist unter Tom I. Rz 777 mit 19. August 1886 auch die Geburt von Paul Preuß verzeichnet. Preuß kam in Altaussee als Sohn des Klavierlehrers Eduard Preuß und dessen Frau Caroline geborenen Lauchheim zur Welt. 

Er wuchs in Wien auf und studierte in München Biologie. Später promovierte er in Pflanzenphysiologie.

Preuß war einer der bekanntesten Bergsteiger seiner Zeit und gilt heute als einer der geistigen Väter des Freikletterns sowie als einer der besten Kletterer seiner Zeit. Paul Preuß stürzte am 3. Oktober 1913 im Alter von nur 27 Jahren bei einer Alleinbegehung aus dem oberen Abschnitt der Nordkante des Mandlkogels ab. Die Umstände des Absturzes konnten nicht geklärt werden. In seinem kurzen Leben erreichte er mehr als 1200 Fels-, Ski- und Hochtouren, davon 150 Erstbegehungen und 300 Besteigungen im Alleingang. Er verzichtete bewusst auf jegliche Sicherungs- und Hilfsmittel, sogar das Abseilen lehnte er ab.

Vier Jahre vor seinem Tod trat Preuß aus der Israelitischen Religionsgesellschaft aus. Die Arbeit des „Juden Preuß“ wurde in der Zeit des Nationalsozialismus nach Möglichkeit totgeschwiegen.

Preuß gilt auch als eines der großen Vorbilder des Alpinisten Reinhold Messner, der dessen Biographie und Arbeit auch publizistisch aufarbeitete. Bereits 1986 erschien „Freiklettern mit Paul Preuß“ und 2011 „Der Philosoph des Freikletterns: Die Geschichte von Paul Preuß“. Ihm zu Ehren wurde die Kleinste Zinne der Drei Zinnen in den italienischen Dolomiten Preußturm benannt, ebenso die Paul-Preuß-Straße in München-Feldmoching und die Preuß-Hütte in der Rosengartengruppe, die 20 Jahre nach seinem Tod von Tita Piaz zu seinem Gedenken errichtet wurde. Anlässlich seines hundertsten Todesjahres wurde 2013 in Altaussee im Beisein von Reinhold Messner eine von Walter Angerer d. J. geschaffene Schattenskulptur zur Erinnerung an Paul Preuß enthüllt.  

2014 gründeten Bergsteiger und Alpinjournalisten aus Österreich, Bayern und Südtirol die Internationale Paul-Preuss-Gesellschaft (IPPG). Ehrenvorsitzender ist Reinhold Messner. Jährlich wird der Paul-Preuss-Preis an einen Bergsteiger vergeben, dessen Einstellung und Leistungen die Grundsätze von Preuss widerspiegeln.

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Karl Emil (Samuel) Franzos

Karl Emil (Samuel) Franzos

Der 1848 als Sohn des assimilieren Arztes Dr. Heinrich Franzos und dessen Frau Karoline geb. Klarfeld in Podolien, Russland, geborene Karl Emil recte Samuel Franzos war ein zu seiner Zeit äußerst populärer Schriftsteller und Publizist. Seine Erzählungen und Romane sowie Reisberichte reflektieren die Welt des osteuropäischen Judentums und die Spannungen, denen er als Deutscher und Jude ausgesetzt war.

Franzos maturierte am Staatsgymnasium in Czernowitz und immatrikulierte zu Beginn des Jahres 1868 Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Im darauffolgenden Wintersemester wechselte er an die Universität Graz, wo er bei der Akademischen Verbindung „Orion“ aktiv war: im WS 1869/70 war er Propräses und im WS 1870/71 Präses des progressistisch eingestellten Bundes, dem er bis an sein Lebensende treu blieb.

Franzos trat mit Wilhelm Scherer, Julius Fröbel und Robert Hamerling in Kontakt. Er sprach sich für eine deutsche Einigung unter preußischer Führung mit Einschluss Österreichs aus. Außergewöhnliche Wirkung hatten seine Reden und Deklamationen, zum Beispiel 1869 bei der Feier des 100. Geburtstages von Alexander von Humboldt in Czernowitz und bei der Gedenkfeier für Ernst Moritz Arndt in Graz. Seine Universitätsstudien beendete er mit Promotion in Rechtswissenschaften, fühlte sich aber nicht zu juristischen Tätigkeiten, sondern vielmehr zum Journalismus und der Schriftstellerei hingezogen. 

Graz ist die Stätte vieler seiner Erzählungen und der Schauplatz seiner einzigen Versnovelle Mein Franz. In Graz verfasste er für Tageszeitungen Satiren, Rezensionen, Erzählungen und Gedichte. 1872/73 schrieb Franzos für das Feuilleton des Pester Lloyd und verfasste zudem Aritkel für die Neue Freie Presse. Reisen nach Venedig, Genua, Monaco, Florenz, Rom und Neapel sowie auch verstärkt die östlichen Teile der Donaumonarchie gingen in seine Reisefeuilletons ein. Die kulturhistorischen und ethnografischen Zeitungsberichte erschienen als Buch unter dem Titel Aus Halb-Asien. 1878 und 1888 erschienen weitere Sammlungen solcher Kulturbilder.

Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller war Franzos auch als Übersetzer und vor allem als Herausgeber tätig. 1884 wurde Franzos Redakteur der Neuen Illustrierten Zeitung in Wien, 1886 gründete er die Halbmonatsschrift für deutsche Dichtung (1886–1904), die er bis zu seinem Tod herausgab.

Sein Journalistendasein lies Franzos 1887 hinter sich. Mit seiner Frau zog er in diesem Jahr  von Wien nach Berlin. Dort schrieb er vor allem bürgerliche Liebes- und Gesellschaftsnovellen. Gleichzeitig engagierte er sich für die Juden in Russland, die unter zunehmendem Druck standen. 1891 trat er dem Zentralkomitee für die russischen Juden bei. Franzos verstarb am 28. Januar 1904 aufgrund eines Herzleidens im Alter von nur 55 Jahren in Berlin. Beigesetzt wurde er auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee.

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Artur Rosenberg

Artur Rosenberg

Der Autor und Journalist Artur ROSENBERG wurde am 6. Juli 1887 in dem damals zur Grazer Kultusgemeinde gehörigen Maribor als Sohn des aus Kutjevo, Kroatien, stammenden Lederhändlers Alexander Rosenberg und dessen Frau Hermine née Neumann geboren. Die Mutter und deren Familie stammten ursprünglich aus Güssing und hatten sich in Graz angesiedelt. Beide mütterlichen Großeltern sind auf dem jüdischen Friedhof in Graz beerdigt. In späteren Jahren übersiedelte auch Rosenberg mit seinen Eltern in Graz.

In Graz besuchte Rosenberg zunächst das Gymnasium, im Anschluss immatrikulierte er an der Grazer Universität, wo er bei Karl Uhlriz Geschichte studierte und 1914 promovierte. Seine Dissertation „Beiträge zur Geschichte der Juden in Steiermark“ wurde im gleichen Jahr im Braumüller Verlag verlegt. In sehr jungen Jahren verdiente er sich bereits erste journalistische Sporen durch Artikel über heimatkundliche Forschungen.

1915 heiratete Artur Rosenberg die in Graz geborene Arzttochter Anna Leopoldine Gutmann, deren Eltern ebenfalls auf dem Grazer jüdischen Friedhof ihre letzte Ruhestätte finden sollten.

Ab 1926 war Rosenberg in Paris als freier Journalist aktiv. Er war dort außenpolitischer Mitarbeiter großer deutscher Zeitungen, wurde Pariser Korrespondent der Neuen Freien Presse und des Pester Lloyd. Nach dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland 1938 war er in die Bemühungen um eine österreichische Exilregierung involviert. Als Exilant wurde er 1939 im Lager Audierne in der Bretagne interniert. Nach dem Einmarsch der Deutsch in Frankreich konnte er sich in einem Bergdorf in Savoyen verstecken.

Ab 1945 war er in Innsbruck als Korrespondent der französischen Le Monde und arbeitete für die Zeitschrift Österreichsiche Monatshefte. Blätter für Politik.  Von 1951 bis 1953 war er wieder in Paris tätig, diesmal als Korrespondent der Zeitung Die Zeit. In den Jahren 1958 bis 62 betätigte sich Rosenberg als Vermittler zwischen den Vertretern der Regierung de Gaulle und der algerischen FLN. Hierfür wurde er zum Mitglied der Ehrenlegion ernannt.

Artur Rosenberg verstarb 1969 in der Schweiz.

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Hermann Öhler

Hermann Öhler

Die wirtschaftlich wohl herausragendste jüdische Persönlichkeit von Graz war der 1847 in Kuchyna, im damaligen Preßburger Komitat, geborene Kaufmann Hermann ÖHLER (1847-1918). Gemeinsam mit seinem Companion Karl Borromäus (jüdisch: Jacob) KASTNER (1848-1921) und seinem Bruder Samuel ÖHLER (1851-1910) gründete er im, von seinem Geburtsort mehr als 300 km entfernten, Troppau (heute Opava) 1873 den „Kurzwarenhandel Kastner & Öhler“. Neben einem Standort in Wien unterhielt das Unternehmen ab 1879 eine Niederlassung in Zagreb, 1883 folgte eine in der Grazer Sackstraße.

1894 kauften Karl Kastner und Hermann Öhler in Graz angrenzende Häuser in der Badgasse. Mit dem Bau der "Kleinen Halle" entstand so das erste wirkliche Warenhaus in der österreichisch-ungarischen Monarchie. 1912/1913 eröffnete schließlich der große heute bekannte vom Theaterarchitektenduo Fellner & Helmer geplante Neubau: ein fünfgeschossiger, gewölbt ausschwingender Neubau im Jugendstil; mit der "Großen Halle" - einem reich verzierten und geschmückter Prachtraum mit einer bunten Glaskuppel - als Herzstück - und mit Lüftungs-, Eigenstrom- sowie Rohrpostanlage und einem Erfrischungsraum mit Musik. Seine Hauptattraktion bildeten zwei Liftanlagen aus Messing und geschliffenem Glas – und der kleine schwarze Liftboy, den man von nah und fern anschauen kam.

Ihren jüdischen Wurzeln blieben zwar Hermann ÖHLER und seine Frau Josefine geb. WEISS (1859-1925), die beide auf dem jüdischen Friedhof von Graz ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, treu. Ihre drei, sämtliche mit Nichtjuden verheiratete Kinder kehrten dem Judentum allerdings den Rücken zu.

Hermann Öhlers ältester Sohn, der noch in Troppau geborene Schriftsteller, Hugo ÖHLER (1877-unbekannt), über dessen Schicksal nach seiner Verschleppung in der NS-Zeit nichts Näheres bekannt ist, erklärte nur vier Tage nach dem Tod seines Vaters 1918 seinen Austritt aus der jüdischen Religionsgesellschaft und konvertierte nach dem Anschluss 1938 zur römisch-katholischen Kirche.

Hermann Öhlers zweiter, schon in Graz geborener Sohn Franz ÖHLER (1887-1945 /), der das Familienunternehmen als Mitbeteiligter bis 1938 geführt hatte, hatte diesen Schritt als erster bereits im Jahre 1907 getan. Er, der über Betreiben seines Cousins Albert Kastner (1883-1952) zunächst nach Zagreb geflüchtet war, starb nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Buchenwald.

Das dritte Kind Hermann Öhlers, die 1889 in Graz geborene Else ÖHLER (1889-1947) trat 1919 noch vor ihrer Eheschließung mit Georg FÜRTH (1887-1960) aus der Grazer Kultusgemeinde aus.

Mit seinem Teilhaber Carl Jacob KASTNER war Franz ÖHLER nicht nur geschäftlich, sondern auch familiär verbunden. KASTNER war seit 1873 mit ÖHLERs Schwester Julie ÖHLER (1854-1942) verheiratet und für damalige Verhältnisse recht ungewöhnlich gelegentlich seiner Eheschließung zum Judentum konvertiert. Das Paar hatte insgesamt acht Kinder von denen zumindest noch ein Teil gelegentlich ihrer Geburt bei der Israelitischen Kultusgemeinde (Wien) immatrikuliert wurden. Im Laufe der Jahre traten aber alle Familienmitglieder aus der Israelitischen Religionsgesellschaft aus und konvertierten größtenteils zum Protestantismus.

Das verhinderte allerdings nicht, dass – neben den Nachkommen Hermann Öhlers - auch die Ausgetretenen oder Konvertiten bzw. deren Kinder nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen jedenfalls als jüdische Mischlinge zu qualifizieren und auf Grundlage der Nürnberger Rassegesetze von Repressalien betroffen waren. Um nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich eine Enteignung abzuwenden, wurden die Unternehmensanteile 1938 daher von den Eigentümern Franz Öhler, Dr. Richard Kastner (1876-1959) und Albert Kastner an deren Schwiegersöhne Ludwig Wäg (1901-1942), Fritz Böck (1895-1966) und Heinz Emil Wressnig (1905-1971) übertragen. Nach dem Krieg wurden die alten Eigentumsverhältnisse in der Familie wiederhergestellt.

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Univ. Prof. Dr. Joseph Freiherr Schey von Koromla

Univ. Prof. Dr. Joseph Freiherr Schey von Koromla

Wurde am 16. März 1853 in Wien als Sohn des jüdischen Bankiers, Großhändlers und Mäzens  Friedrich Freiherr Schey von Koromla (1815-1881) und dessen vierter Frau Hermine geborener Landauer (1822–1902) geboren. Hier besuchte er von 1862 bis 1870 das Akademische Gymnasium, von 1870 bis 1875 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien sowie in Berlin und Bonn und wurde 1875 in Wien promoviert. Nach Tätigkeiten in der niederösterreichischen Finanzprokuratur und seiner Habilitierung an der Universität Wien war er 1882 im Ministerium für Kultus und Unterricht tätig und erhielt im selben Jahr den Titel eines außerordentlichen Professors. Ab 1884 lehrte er als außerordentlicher Professor für Römisches Recht und österreichisches Privatrecht an der Universität Wien, wo er 1885 ordentlicher Professor wurde.

An der Universität Graz lehrte Schey von 1885 an Römisches Recht, 1893 übernahm er schließlich den Lehrstuhl für österreichisches Zivilrecht und war 1889/1890 sogar Dekan der juridischen Fakultät. 1897 kehrte er als Professor des österreichischen Zivilrechts an die Universität zurück, wo er letztlich noch bis 1933 lehrend tätig war. 1923 erhielt er das Ehrendoktorat der Universität Graz.

Sämtliche Kinder Joseph Schey´s aus der Ehe mit Henriette Lang wurden in Graz geboren: 1886 Gerda Ernestine (1886-1972), 1887 Friedrich, 1891 das Zwillingspaar Witold und Herbert Josef sowie Tochter Irma Josefine Luise (1894-1983)

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Isidor Preminger

Isidor Preminger

Isidor Preminger wurde am 11. März 1884 in Czortkow geboren und kam während des Ersten Weltkrieges nach Graz. Ab 1918 war Obmann der Angestelltengewerkschaft und in weiterer Folge auch für den „Kaufmännischen Versorgungsverein“, der späteren „Merkur Krankenversicherung“ tätig.

Zwischen den beiden großen Gewerkschaftsrichtungen - den von Christlichsozialen und Deutschnationalen unterstützten nationalen Gewerkschaften und den sozialdemokratischen freien Gewerkschaften - kam es zu einem heftigen Ringen um die Kontrolle über die Vorstandsposten der Merkur Versicherung. Schließlich vermochte sich Isidor Preminger der als sozialdemokratischer Gewerkschafter durchzusetzen und leitete ab 1925 als Obmann die Geschicke des Vereins.  Von 1929 bis 1934 vertrat er die Sozialistische Partei im Grazer Gemeinderat und befand sich im bedingt durch den politischen Umbruch von Oktober bis Dezember 1934 in Haft. Preminger, der 1919 aus der Israelitischen Kultusgemeinde ausgetreten war, erklärte 1935 seinen Rücktritt. Im Zuge des Novemberpogroms 1938 wurde er verhaftet und wie viele Grazer Juden in das Konzentrationslager Dachau überstellt. Nach seiner Freilassung gelang ihm gemeinsam mit seiner nichtjüdischen Frau Anna geb. Tullo die Emigration nach England, wo er in weiterer Folge in London lebte. Nach Kriegsende kehrte Isidor Preminger nach Graz zurück, wo er in weiterer Folge eine führende Funktion in der nunmehrigen Merkur Versicherung einnahm und den Aufbau des Unternehmens wesentlich mitbestimmte. Mit Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 1926 hatte Preminger rückwirkend betrachtet frühzeitig die Bedeutung einer Zusatzversicherung erkannt und das Unternehmen derart in die richtige Richtung geführt. 1946 wurde Isidor Preminger auch zum ersten Nachkriegspräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Graz bestellt. Eine Funktion, die er bis Dezember 1948 ausübte, als er vom Amt wegen seiner vielzähligen anderen Verpflichtungen zurücktrat.

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Moritz Fröhlich Edler von Feldau

Moritz Fröhlich Edler von Feldau

Zu den ganz frühen und prominenten (wenn auch nur temporären) Mitgliedern der Grazer jüdischen Gemeinde zählte auch der 1825 in Zábřeh an der March geborene und zu Ruhm und Reichtum gelangte Eisenbahnunternehmer Moritz Fröhlich, der am 25. September 1877 mit dem Prädikat „Edler von Feldau“ in den erblichen österreichischen Adelsstand erhoben wurde. Von seinen aus der Ehe mit Malvine (auch Nina) Kadelburger stammenden sechs Kindern kamen die ersten drei in Maribor bzw. Ptuij, die vier Jüngsten, schon in Graz zur Welt. Eine Tochter Anna verstarb 1871 und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Graz bestattet. Seine 1861 in Maribor geborene Tochter Bertha wurde vom Grazer Rabbiner Dr. Samuel Mühsam im Februar 1880 in der damaligen Grazer Synagoge (Withalms Colliseum) mit Wilhelm (1846-1908), Sohn des Prager Großindustriellen und 1884 in den erblichen österreichischen Ritterstand erhobenen Friedrich Ephraim Ritter von Kubinzky (1814-1888) getraut. Wilhelm Ritter von Kubinzky und Bertha Fröhlich Edle von Feldau sind die Urgroßeltern des bekannten Grazer Historikers Karl-Albrecht (Ritter von) Kubinzky. Rabbiner Mühsam traute 1883 im Übrigen auch noch Moritz Fröhlichs Tochter Selma (1862-1937) mit Alexander Strasser (1851-1932; ab 1908 ungarisch geadelt mit dem Prädikat „Strasser de Kisbab“).

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Ludwig Stössel

Ludwig Stössel

Der Schauspieler und Regisseur Ludwig Stössel gehört zu den interessanten Nebendarstellern des deutschen Films und zu jenen Darstellern, denen es auch nach der, durch die nationalsozialistischen Machtergreifung bedingten, Emigration gelungen ist, in den 1940er Jahren eine zweite erfolgreiche Karriere in den USA zu lancieren.

Ludwig Stössel wurde am 12. Februar 1883 in Lockenhaus (Burgenland). Er ist der Bruder des Malers Oskar Stössel. Vermutlich 1892 übersiedelte er wie sein Bruder nach Graz. In Graz wuchs er auf, absolvierte auch die Bürgerschule und erhielt schließlich Schauspielunterricht  bei Maximiliane Bleibtreu (1870 – 1923), die von 1898 bis 1902 durchgängig in Graz tätig war. Vermutlich im Jahre 1900 gab er in Sigmaringen sein Bühnendebüt und spielte später in Ulm, Posen und Breslau. Von 1925 bis 1933 war er auf diversen Bühnen in Berlin zu sehen. Ab 1926 übernahm er wachsend Filmrollen. Nach dem Machtwechsel in Deutschland übersiedelte Stössel 1933 nach Wien. Nach dem Anschluss gelangte er schließlich über Paris nach London und emigrierte von dort 1939 in die Vereinigten Staaten. In zahlreichen Hollywood-Produktionen verkörperte er nette, ältere Herren wie den Vater von Gary Cooper in Der große Wurf. Besonders populär ist sein kurzer Auftritt als europäischer Emigrant Mr. Leuchtag in dem Film Casablanca . Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges setzte  Stössel seine Karriere in Amerika fort Er verstarb am 29. Januar 1973 in Beverly Hills.

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Ing. Oskar Stössel (Stössl; 1879-1964)

Ing. Oskar Stössel (Stössl; 1879-1964)

Selten sind bei einem Künstler Motiv und Technik zu einer so vollkommenen Symbiose verschmolzen wie bei Oskar Stössel. Er war ein Meister der Radierkunst, wobei er seine Brillanz vor allem im Portrait entfaltete. Seine Klientel setzte sich aus dem Who is Who der internationalen Gesellschaft zusammen. Daneben schuf er auch ein qualitätsvolles Oeuvre als Maler schrieb die Neue Galerie Graz anlässlich einer Ausstellung über den Künstler im Jahre 2008.

Der 1879 im niederösterreichischen in Neunkirchen geborene Oskar Stössel übersiedelte mit seinen Eltern Leopold Stössel und Bertha geb.  um das Jahr 1892 nach Graz. Hier absolvierte er nach seiner Schulzeit zunächst eine Ausbildung zum Bauingenieur an der Technischen Hochschule . Danach studierte er in Graz Malerei, bei Constantin DamianosLeo Diet und Alfred Schrötter von Kristelli. In dieser Zeit war Stössel auch in der Jüdisch-Akademischen Verbindung „Charitas“ aktiv.  

Ab 1919 studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er sich von Ferdinand Schmutzer in der Technik der Radierung ausbilden ließ. Sein Bruder, der Schauspieler Ludwig Stössel (siehe Artikel an anderer Stelle hier), ermöglichte ihm Bekanntschaften mit Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft sowie Adeligen, wodurch er zu zahlreichen Aufträgen kam. Seine Farbradierungen wurden international bekannt. 1938 flüchtete Oskar Stössel aus Österreich in die USA flüchten, wo er seine künstlerische Karriere erfolgreich weiterführen konnte und wiederum Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft darunter auch Präsident Franklin D. Roosevelt porträtierte. In den 1950-er Jahren kehrte er zeitweilig nach Österreich wo er in Wien lebte. Er verstarb 1964.

Stössls Eltern sowie einige seiner Geschwister blieben auch nach seinem Fortgang aus Graz im Jahre 1919 hier ansässig. Sein Vater sowie zwei seiner Geschwister fanden auf dem jüdischen Friedhof der Landeshauptstadt ihre letzte Ruhestätte.

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Jüdische Persönlichkeiten

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