Musikalische „Family Connections“
Musikalische „Family Connections“
Joshua Korn
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Der Musiker Joshua Korn (Wien/London) hat bereits in vielen verschiedenen Formationen gespielt. Er vertritt einen ganz eigenen Performance-Stil. Im Interview spricht Joshua Korn erstmalig über seinen Großvater Herbert Revez, der genauso gerne wie er als Star auftrat und einen ähnlichen „silly sense of humor“ besaß.

„Ob der Humor in meinen Songs speziell jüdisch ist, ist schwer zu sagen. In Großbritannien gibt es einen absurden dunklen Humor, der ins Surreale und Fantastische geht. Eine Art über sich selbst zu lachen“, erzählt der Musiker Joshua Korn, der in London aufwuchs. „In Wien existiert ein ähnlicher dunkler Humor, den Menschen im Alltagsleben verwenden. A la, heute ist das Leben schön, aber morgen geht es sicher schlecht. Der könnte eine Spur Jewishness enthalten. Man lacht über seine eigenen Pannen.“ Joshua Korn wurde humortechnisch von der britischen Comedy Serie „League of Gentlemen“ beeinflusst. „A kind of horror war diese Serie“, sagt er, „voll von Absurdität und Fantasie.“ Er trat überall in London auf und unter anderem im Wiener WUK beim „Politically Correct Comedy Club“ (PCC). Nun wird Korn im Juni beim Festival SOHO in Ottakring, das wegen Corona ins Internet verlegt werden musste, ein Gedenkkonzert für die vor kurzem verstorbene Performerin Elinor Mora (New York/Wien) abhalten, mit der er 2002 die Band „Mora & Fur“ gegründet hatte. Sie war seine beste Freundin, mit der er täglich telefonierte.

Kokosnuss-Pyramiden

Korns Großvater mütterlicherseits mit dem Namen Herbert Revez zeigte einen sehr ähnlichen Humor wie er: „He made dirty jokes all the time. Er hatte einen silly sense of humor. Er war ein Performer, spielte verschiedene Instrumente gleichzeitig in einer One Man Show und unterhielt die Leute. Mein Großvater war auch Designer und Manager in einer Fabrik für Damen-Unterwäsche.“ Noch im Dezember 2019 trat Joshua Korn im Lokal „Jeanskamel“ am Wiener Elterleinplatz auf, in dem tagsüber Flüchtlingsfrauen ziemlich verrückte Kleidungsstücke aus alten Blue Jeans-herstellen.
„In London gibt es ein größeres Spektrum jüdischen Lebens als in Wien, die Community in Wien ist kleiner“, sagt Joshua Korn, der eine Zeitlang im Wiener Jüdischen Chor mitsang, der aber logischerweise wenig Raum für One Man Shows bietet. In London unternahm er, für ihn selbst im Rückblick erstaunlich, aber nie etwas in Richtung auf die jüdische Gemeinde.
Als Kind liebte er „Passover“ und hierbei vor allem die „Kokosnuss-Pyramiden“ und die „Zimt-Kugeln“. Seine Eltern besuchen eine liberale Reform-Synagoge in London, die Großeltern waren in einer eher konservativen Synagoge in West London. Joshua Korn ging als Kind in die „Sunday school“, „where you prepare Bat Mitzvah and learn hebrew by heart“, sagt er.

Musical Clown

Als Kind sang der Hund der Geigenlehrerin „very nicely“ mit, wenn Joshua die Violine spielte. Großvaters schwarzer Pudel hatte „Lulu“ geheißen, seine schwarze Katze hörte mitten in England auf den deutschen Namen „Scheiße“. Großvaters Humor eben! Herbert Revez war 1941 aus Köln geflüchtet und sprach sein Leben lang  Englisch mit Dialekt. Seine Eltern, die aus Ungarn und der Tschechoslowakei stammten, hatten in Wien geheiratet (glaubt Josh Korns Mutter) und gingen weiter nach Deutschland, wo sie Opfer der Shoah wurden. Der Musiker selbst besuchte 1999 mit seinem besten Freund erstmalig die Stadt Wien: „Wir kamen im Winter an und hörten Gedichte. Vienna seemed like the place to be.“ Er fühlte sich auf eine Art Zuhause in Wien und blieb. Während sein Opa als One-Man-Band den „musical clown“ für die britischen Truppen spielte und die Soldaten mit Klarinette, Violine und Saxophon unterhielt, hat der Enkel eine große Fangemeinde und seine Konzerte eskalieren zumeist in Lachanfälle und frenetischen Beifall.



https://www.sohoinottakring.at/en/portfolio-item/18th-of-june/

Autorin: Kerstin Kellermann

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