Kunst und Religion als Trost
Kunst und Religion als Trost
Photograph © Lane Collection
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In New York wurden gerade zwei über hundertjährige Holocaust-Überlebende mit Beifall aus dem Krankenhaus entlassen, weil sie den Corona-Virus überstanden. In Israel war der erste Corona-Tote ein Holocaust-Überlebender. In solch anstrengenden Zeiten braucht man Trost, der in schönen Erinnerungen oder in einem virtuellen Ausflug liegen kann. Es folgt eine Reportage über ein Museum, das gekonnt Kunst und Ritualgegenstände zu hinreißenden Schauen verbindet.

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Momentan ist es leider wegen Corona-Gefahr geschlossen: Das Jewish Museum am New Yorker Central Park. Ein wahres „Cabinet of Wonders“.

Irgendwie passen die beiden Kunstwerke hervorragend zusammen: Auf der einen Seite ein junger Mann auf sehr dekorativen Grund gemalt, direkt daneben ein hoher Holzschrank mit geschnitzten Vögeln. Der afroamerikanische Maler Kehinde Wiley malte alle möglichen jungen israelischen Männer, um die Vielfalt Israels darzustellen. Auf dem ausgestellten Bild „Alios Itzhak. (The World Stage: Israel, 2011)“, einen jungen Israeli äthiopischer Herkunft. Sehr dekorativ in lila T-Shirt vor einem ukrainischen Papercut aus dem 19. Jahrhundert. In Konversation mit dem Bild befindet sich der schöne „Torah Ark from Adath Yeshurun Synagogue“ aus 1899, den der russische Holzschnitzer Abraham Shulkin erstellte.

Das Konzept des Jewish Museum am New Yorker Central Park geht voll auf. Religiöse Symbole oder Ritualgegenstände sind moderner Kunst gegenübergestellt, Seite an Seite. Ein ganzer Raum voll mit Glaskästen auf rotem Samt und schönen Dingen in Silber und Gold. Amulette, Torah Binder oder Ehekontrakte sind so präsentiert, dass sie an die „Cabinet of Wonders“ erinnern sollen, die Renaissance-Vorläufer des modernen Museums. Dazwischen „Oddities“ - unerwartete und exzentrische Kreationen. Lee Krasner, Louise Nevelson oder Eva Hesse, die als Kleinkind für die Flucht vor den Nazis verschickt wurde, finden sich hier. In dem Film „Ocean Avenue” (1999) von Shari Rothfarb Mekonen nimmt eine ältere Frau ihre letzte Mikveh. Wasserbilder sind mit Aufnahmen der bekannten Straße vermischt. Die Musik des Films hört man in der ganzen Ausstellung.

Sozialer Realismus

Durch die Fenster des Museums sieht man auf den Central Park. Im zweiten Stock gibt es gerade eine Ausstellung zu den Erwerbungen der erfolgreichen Kunsthändlerin und Sammlerin Edith Halpert, die die erste war, die in einer Galerie afroamerikanische Kunst verkaufte. Halpert war auch ein früher Fan von Georgia O’Keeffe, von der das relativ kleine Bild „White Flower“ aus 1932 ausgestellt ist, aber auch das leuchtende, beinahe abstrakte „In the Patio IX“ aus 1950. Im Jahre 1944 zog Halperts Galerie in die East Fifty First Street, ausstattungsmäßig war sie gegen Galerien in rotem Plüsch und Mahagony. Ihre Sammlung ist nach wie vor sehr speziell: „There are lots of gaps. You see, I just bought the things I liked”, sagte Edith Halpert im Interview. Wie zum Beispiel eine Serie von italienischen Anarchisten, die des Mordes beschuldigt wurden, die der „Social Realist Painter“ Ben Shahn malte.

Die kuratorische Verbindung von KünstlerInnen mit jüdischem Leben führt zu erstaunlichen Ergebnissen. Das gesamte Museum stellt in seiner Verbindung von Religion als soziale Kultur und Kunst einen Leuchtturm dar, der scharfe Lichtstrahlen aussendet und bisher unbekannte Bilder und Verbindungen zu Tage fördert. In Zeiten des Corona-Virus, in denen für New York noch immer sehr viele Tote erwartet werden, eine sehr tröstliche Institution. Die eines sehr schönen Tages wieder aufsperren wird.

Autorin: Kerstin Kellermann

https://thejewishmuseum.org/

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